Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Lonsdale, Fred Perry und New Balance: Vielen Kunden gelten Stücke dieser Marken noch immer als «Fascho-Klamotten». Dabei kämpfen die Unternehmen vehement gegen dieses Image. Denn der einschlägige Ruf bringt großen wirtschaftliche Schaden.

Das brandenburgische Templin im Sommer 2009. Es ist Stadtfest. Ein Junger Mann trägt unter seine Jacke ein Sweatshirt der Kleidungsmarke Consdaple. Der Name ist groß aufgedruckt und die Jacke des Mannes in einer Weise offen, dass die ersten und letzten Buchstaben nicht zu sehen sind. So prangt die Buchstabenfolge «NSDAP» auf seiner Brust.

Im Februar 2010 entschied das Landgericht Neuruppin, dass der Mann sich damit strafbar gemacht hat. Denn jedwede Werbung für die verbotene Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands, die mit den fünf Buchstaben abgekürzt wird, ist in Deutschland untersagt. Ein Consdaple-Kleidungsstück ohne verdeckende Jacke dagegen ist erlaubt.

Geurt J. Schotsman ist eigentlich ganz froh, dass es die in der neonazistischen Szene kreierte und vertriebene Kleidungsmarke gibt. «Es ist besser, die Rechtsradikalen kaufen Constaple als Lonsdale», sagt der Geschäftsführer der Punch GmbH, die die Kleidung des britischen Sportkleidungsherstellers Lonsdale in Deutschland und den Benelux-Staaten vertreibt.

Umsatzeinbrüche nach Berichterstattung im Zusammenhang mit Neonazis

Auch die Lonsdale-Shirts und Pullover ziert ein plakativer Markenaufdruck. Kombiniert mit einer offenen Jacke bleibt hier die Buchstabenfolge «NSDA» übrig, weshalb sich die Kleidung bei Rechtsradikalen gewisser Beliebtheit erfreut. Immer wieder verboten Schulleiter in der Vergangenheit ihren Schülern die Kleidung, weil sie eine «eindeutig radikale Haltung» vorgibt, wie es beispielsweise die Heinrich-Mann-Oberschule in Berlin formulierte. «Wenn das passiert ist und die Medien darüber berichtet haben, sind unsere Umsätze regelmäßig eingebrochen», sagt Schotsman.

Das Unternehmen Lonsdale distanziert sich eindeutig von Rechtsradikalismus, 2004 warb sie mit dem Slogan «Lonsdale loves all colours» (Londsdale liebt alle Hautfarben). «Gerade Lonsdale macht sehr viel im Kampf gegen Rassismus und sponsort Aktionen wie Laut gegen Nazis oder Aktion Zivilcourage und unsere», sagt Pierre Gehrmann von Kein Bock auf Nazis. 2005 unterstützte Lonsdale den Christopher Street Day.

Die Aktionen blieben nicht ohne Wirkung. «Es gibt Vidoes im Internet, auf denen Rechtsradikale ihre Lonsdale-Klamotten verbrennen», sagt Punch-Chef Schotsman. Inzwischen sei das Image von Lonsdale besser als noch Anfang der 2000er Jahre. «Das liegt auch daran, dass große Händler wie Real oder Neckermann uns vertrieben. So verdünnt sich das Problem», sagt Schotsman.

Warum greifen Rechtsextreme zu bestimmten Marken?

Zwischen 2003 und 2005, der Hochzeit der Lonsdale-Kampagnen, brach der Umsatz laut dem Unternehmen im «Brennpunktgebiet» Sachsen um 75 Prozent ein. Zumindest in Deutschland gab Lonsdale mit seinem klaren Bekenntnis gegen Rechtsextremismus also eine nicht unerhebliche Nische auf. «Das ist Quatsch», meint Schotsman dazu. «Diese Nische ist viel zu klein.» Das Nazi-Image habe Lonsdale mehr geschadet als genutzt. «Das Image hat Londsdale europaweit etwa 65 Prozent seines Markenwertes gekostet», sagt Schotsman. Eine Schätzung, konkrete Zahlen kann er nicht nennen.

Auch andere Marken wie die des britischen Traditionsherstellers Fred Perry oder New Balance, die bei Neonazis eine gewisse Beliebtheit haben, distanzieren sich ausdrücklich vom Rechtsextremismus. Fred Perry, benannt nach dem ersten Wimbledon-Sieger mit proletarischen Wurzeln, hat das ungeliebte Image inzwischen fast gänzlich abgelegt.

Dass Rechtsradikale zu bestimmten Marken besonders gern greifen, hat verschiedene Ursachen. Mit dem «N» auf den Sportschuhen der Marke New Balance wollen Rechtsradikale sich angeblich als Nationalisten kennzeichen. Bei den Polohemden von Fred Perry ist ein Ährenkranz aufgestickt. «Das ist für Rechtsextremisten ein Symbol des Sieger-Selbstbildes», schreibt der Fachjournalist Anton Maegerle. Besonders beliebt seien schwarze Hemden mit roten und weißen Streifen – die Farben der Reichsflagge.

Ähnlich wie bei Lonsdale vermuten Experten hinter der Affinität von Rechtsextremen zum britischen Fred Perry auch einen kulturellen Grund. Die anfangs recht unpolitische Skinheadszene im Königreich war schon Ende der 1960er Jahre mit Klamotten dieser Marken ausgestattet. Später wurde sie von rassistischen Strömungen vereinnahmt und auch deutsche Neonazis übernahmen den Stil.
mac/news.de

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